Montag, 24. Juni 2013

Now or never

Wir starten in die letzte Woche unserer Crowdfunding-Kampagne, in der sich entscheiden wird, ob es ununi.TV weiter geben soll - oder nicht. 

Um es ganz klar und deutlich zu sagen: Es existiert kein Plan B für ununi.TV! Wenn wir diese Kampagne nicht gemeinsam zum Erfolg führen, wird es diese Bildungs-Videoplattform nicht geben können. Weder in der geplanten noch in einer veränderten Form. Das sollte allen klar sein, worum es hier geht. 

Wer ernsthaft eine Veränderung des bestehenden Bildungssystems wünscht, sollte sich überlegen, ob er oder sie uns nicht doch eine Chance geben möchte. 

Wer ernsthaft eine Option mit aufbauen helfen möchte, die dem vorherrschenden Trend hin zu prekären Arbeitsbedingungen und entsprechender, stromlinienförmiger Aus- und Weiterbildung entgegen wirken könnte, der oder die sollte uns unterstützen. 

Wer ernsthaft glaubt, es wäre schade, wenn es so etwas wie ununi.TV nicht gäbe, der sollte ein wenig Geld in die Sammelbörse stecken. 

Wer jemals mir in der Vergangenheit sagte, wie toll ununi.TV sei und dass wir doch bittschön weiter machen sollen, der oder die sollte sich JETZT engagieren. JETZT ist die Zeit dafür - nächste Woche schon ist es zu spät. Wir benötigen JETZT Eure Initiative und Eure Energie! 

Ich (acw) kann Euch ansonsten leider nicht mehr ernst nehmen. 

Ich schaue in meine Twitter-Timeline im Jahre 2013 (!) - und ihr fragt ernsthaft nach Forschungsergebnissen, inwiefern die Digitalisierung die Bildung verändere. Ihr diskutiert in nimmermüder Manier, ob nun cMOOCs oder xMOOCs oder nicht doch lieber bMOOCS das Mittel der Wahl sei - oder sollen wir die Kurse anders nennen? Leute, bitte! Ihr feiert Exzellenz-Unis, die 9 (!) Jahre nach Gründung von Facebook voller Stolz die Einrichtung ihrer Fanpage feiern, weil sie dafür ein millionenschweres Förderprogramm vom BMBF zur Verfügung gestellt bekommen haben. Während in den USA bereits der Abgesang auf MOOCs und Facebook angestimmt wurde…

Ich schaue in meine Timeline im Jahre 2013, in der fast jede/r, die/der etwas auf sich hält, von Bildung faselt - und damit ausschließlich die Aus-Bildung seiner Kinder meint. Oder seine eigene Karriere im Bildungswesen im Kopf hat. Natürlich im bestehenden Bildungssystem mit all seinen verkrusteten Strukturen und merkwürdigen Status-Symbolen und all diesem Firlefanz. Die Talare existieren noch in virtueller Form - und darunter hat sich nichts verändert. Nichts! Borniert, zufrieden mit dem Status Quo, ohne Anreizsysteme, außer, ob das Förderprogramm es auch ermöglicht, neue Mobilgeräte für die beantragenden Verantwortlichen anzuschaffen oder eine Fern-Reise mit abfällt.

Gut, das ist jetzt böse - aber durchaus Realität. Wer sich jemals in diesen Strukturen bewegt hat, weiss das. Dieses System ist nicht mehr reformfähig. Das ist organisationssoziologisch unmöglich. Es ist verkrustet - und das liegt an den Verwaltungen ebenso wie am Vergütungssystem, dem Beamtentum, der Bildungsmafia und dem alten hegemonialen Bildungsverständnis. Womit ich nicht sagen will, dass es durchaus einige wenige, eifrige Menschen innerhalb des Systems gibt, die sich nach Kräften bemühen, hier noch das Beste rauszuholen. Ich kenne sogar einige.

Aber denkt Ihr denn wirklich, wir könnten uns als Gesellschaft für das 21. Jahrhundert rüsten, wenn wir uns ausschließlich über MOOCs, VHS- oder sonstige Kurse weiterbilden - und vielleicht ab-und-an mal eine Konferenz besuchen? Meint Ihr wirklich, damit ist es getan? Meint Ihr wirklich, damit seid Ihr und Eure Kinder gut aufgestellt für das, was da kommen möge? Ich weiss, ich klinge jetzt ein wenig so wie die damalige Herzog-Hauruck-Rede, die auch nichts bewirkt hat. Aber ich muss dem gerade mal Luft verschaffen. Sorry :)

Ich weiss, viele denken jetzt: Sie hat ja recht, aber ununi.TV ist nun auch nicht die Lösung. Gut, mag sein, aber es ist zumindest ein Schritt in eine neue Richtung. Ein Zeichen, ein Signal, vielleicht eine Weiche. Wir maßen uns ja gar nicht an, die einzig wahre Lösung bereitzuhalten. Wir sind nur ein paar Suchende, die sich auf den Weg gemacht haben, nach neuen Modellen und Formen Ausschau zu halten. Und uns testweise vorwagen, uns austauschen, probieren, schauen - tastend, suchend, bewegend. Aber immerhin: Wir bewegen uns, fliessen - kann bestimmt auch bald niemand mehr hören. Nur, wie sonst, wenn nicht ständig fliessend, sollen wir uns weiterentwickeln? Unsere Kompetenzen bündeln, um neue Herausforderungen gemeinsam zu bewerkstelligen. Wir sind doch zusammen so klug, sind bestens ausgebildet - manche durch die Institutionen, die meisten eher durch ihre beruflichen Erfahrungen. Lasst uns doch gemeinsam anfangen - wenigstens einen Versuch wäre es doch wert?! 

Das kann doch nicht sein, dass wir trotz unserer ganzen Kenntnisse der Macht von unten es nicht schaffen, eigene Strukturen aufzubauen.

Das kann doch nicht sein, dass Ihr reihenweise in die Krise verfallt angesichts der gesellschaftlichen Umbrüche - und nichts tut. Wie erstarrt seid ...

Tut was! Bewegt Euch! Macht mit! Und tragt nicht Euer ganzes Geld in die Baumärkte. 

Und eines sei Euch abschliessend versichert: Das Geld fliesst nicht in meine Taschen, um mich in den Liegestuhl zu legen. Wir müssen damit Programmierung, Design, Tutorials, Content, Community-Management, Moderation einkaufen - das alles muss ja jemand umsetzen. Bislang ist die Plattform ja noch mehr als rudimentär und lebt vom ehrenamtlichen Engagement einer Reihe von Menschen. Das funktioniert aber nicht auf Dauer. Wir brauchen professionelle Strukturen. Und je mehr Geld uns zur Verfügung steht, desto professioneller wird das Ganze, ist eh klar. Wir arbeiten doch bereits so schlank wie irgend möglich. Dezentral, vernetzt, hoch-effizient. 

Also, wenn Ihr das alles inhaltlich mit gestalten wollt, müsst Ihr mitmachen. Vom Spielfeld-Rand kommentieren, kann doch jede/r. Seid Ermöglicher/innen, nicht Besserwisser/innen! Darauf kommt es heute an! Machen, machen, machen.

Was Ihr tun könnt? Finanziert uns vor, indem Ihr eine Mitgliedschaft vorab kauft - oder indem Ihr Euch als Sponsor betätigt. Nur wenn die Mindestsumme zusammen kommt, die wir benötigen, um das Ganze sinnvoll weiter zu entwickeln, geht das Geld an uns - andernfalls fliesst alles wieder zurück in Eure Taschen. Also, bittschön ---> http://www.startnext.de/ununitv

Immer noch nicht überzeugt? Dann schaut hier --> http://ununi.tv/now

Entschuldigt diesen Appell! Ich arbeite jetzt ruhig weiter …

Kommentare:

  1. Gut gebrüllt Löwe! Meine Kommentare: http://www.wissenmaldrei.de/ununitv/

    AntwortenLöschen
  2. In der Tat, gut gebrüllt! Danke für deinen emotionalen Aufruf! Ein Appell, der keiner Entschuldigung bedarf. Ich kenne viele, die oft verzweifelt vor den festen (Bildungs-)strukturen stehen und verzweifeln. Ich unterstütze gerne neue Projekte und probiere sie aus, halte dieses Angebot für sinnvoll und unterstützungswürdig!

    Nur eine bittere Pille hatte ich zu schlucken: Leider gibt es im Moment viele Menschen, die ihr Geld gezwungenermaßen in die Baumärkte schleppen. Und die auch gerade jetzt Unterstützung brauchen. Sei mir nicht böse, wenn die finanzielle Unterstützung bis nächsten Monat für Dinge gebraucht wird, die mir gerade näher sind...

    Liebe Grüße aus Halle!

    AntwortenLöschen
  3. Danke für das Feedback! Mir ist durchaus bewusst, dass es viele gibt, die uns nicht aus bösem Willen nicht unterstützen. Eine wichtige Zielgruppe, die wir adressieren, sind genau diese Menschen, die derzeit mit ihrem Geld jonglieren müssen. Deshalb denke ich, ist unser Angebot so wichtig. Insofern wäre es super spendabel, wenn diejenigen, die nicht auf den Groschen achten müssen, sich hier solidarisch zeigen könnten. Letztlich profitieren auch sie von dem Knowhow genau dieser (kreativen) Menschen, die nicht im Normal-Arbeitsverhältnis leben.

    AntwortenLöschen
  4. ...zum Punkt der Starre:
    Also so ganz verfange ich mich noch nicht darin, im Gegenteil - ich denke nach Lösungen: und finde, dass es im Moment nicht unbedingt weiterbringt darauf zu setzen, durch Streuen von "Beiträgen" die gesuchten interessierten Menschen zu finden. Deshalb schreibe ich mir bekannte Leute weiter persönlich an. Das Titanpad finde ich gut, aber ich glaube, dass der "B"-Effekt einfach mehr bringt und starte damit jetzt weiter durch...

    AntwortenLöschen
  5. Eigentlich hast du das Problem bereits in der PDF deines letzen Blogbeitrags treffend analysiert:

    "Dieser vernetzte Lernprozess der Schwarmintelligenz ist Kennzeichen von Learning 2.0. Als emergenter Prozess bedarf er entsprechend kompetenter Personen, die medientechnologisch relativ schnell auf den Stand zu bringen sind, nicht aber hinsichtlich ihrer Selbstlernfähigkeiten und Social-Learning-Skills. Diese Fertigkeiten gilt es gesamtgesellschaftlich aufzubauen - wie, bedürfte eingehender Analysen und eines umfassenden Diskurses, der sich nicht an Bestandswahrung orientiert, sondern sich den zukünftigen Herausforderungen stellt."

    Es müsste also 1) so etwas wie ununiTV stehen und dann 2) der gesamtgesellschaftliche Prozess zum Erlangen von Selbstlernfähigkeiten beginnen. Zur Finanzierung von ununiTV wird aber mehr als ein kleiner Kreis von Personen, der diese Fähigkeiten bereits besitzt, benötigt.

    Das ist wie das Bohren dicker Bretter. Man benötigt gutes Werkzeug (=Geld, Gönner, Sponsoren) und Geduld (=Zeit).

    AntwortenLöschen
  6. Was ist der Unterschied zwischen einem Supporter und einem Follower? Der eine engagiert sich über die Worte hinaus, der Follower lurkt. € 150 sollte im reichsten Land Europa kein Problem sein.. oder doch?

    AntwortenLöschen
  7. Ich würde es schade finden, wenn das Projekt nicht zu-stande kommt.

    Warum ist es, wie es ist?
    Dies wäre doch die Frage?
    Ob missionieren hilft?

    Glaube ich nicht.

    Was den Projekten,ob mooc oder un-UNI.TV fehlt, ist der eindeutige Diskurs.
    Es gibt nicht einmal Diskusion.

    WIR sollen zusehen und zuhören.
    Wer bei Sozial-Network aufgepasst hat.

    Es geht um DAS GEGENÜBER und nicht um MICH.

    Erst zuhören, dann verkaufen.
    Was genau, dies sollte Schritt für Schritt geschehen.

    Anfangen würde ich mit den Streßbildern. Selbst bei den sog. Moderatoren.
    Hier würde ich das richtige Licht empfehlen. Dann kann es auch mit der Übertragungs-Bandbreite ok sein. Denn was Google liefert ist ok.
    Als ehem. Service Techniker und Hobby-Videograf ein gut gemeinter Rat.

    Was kann DSL?
    http://www.telespiegel.de/dsl/das-kann-dsl.html

    Was wird benötigt?

    AntwortenLöschen